Zur Ausstattung des Mixers
Nach meiner Beobachtung lassen sich allgemein zwei Tendenzen in diesem unübersichtlichen Markt erkennen. Zum einen Hersteller, die möglichst viele Features zu einem sehr günstigen Preis in einem Mixer vereinen. Das muss nicht schlecht sein, birgt aber mehr Risiken was die Qualität und die Langlebigkeit der Komponenten betrifft. Dann gibt es die Hersteller, die ihre Geräte eher sparsam bestücken, dafür aber hochwertige Teile verbauen, teils in Studioqualität. Musiker werden sich nach ihren spezifischen Bedürfnissen für die eine oder andere Kategorie entscheiden müssen, wobei das zur Verfügung stehende Budget letztlich den Ausschlag geben dürfte.
Mikrofonvorverstärker
⚠️ Die Ausführungen im folgenden Absatz betreffen nur eingeschränkt Drehleiern mit internen oder externen Vorverstärkern.*
Am Beginn des Signalwegs im Pult sind die Mikrofonvorverstärker die wichtigsten Komponenten überhaupt: Was hier in schlechter Qualität seinen Anfang nimmt, kann an allen weiteren Stationen der Signalverarbeitung nur noch schwer korrigiert werden. Klangfärbung, Rauschen, Brummen und Verzerrungen aller Art werden verstärkt, womöglich noch mit Effekten versehen und erreichen am Ende bei den Lautsprechern das, was Hörer als Klang der Drehleier wahrnehmen und das kann sich – neben dem Klang des Instruments und dem spielerischen Können des Musikers – im Ergebnis deutlich vom originalen Klang unterscheiden. Beim Kauf eines Kleinmixers hat daher die Qualität der Mikrofonvorverstärker oberste Priorität. Der Klang sollte möglichst neutral sein (bearbeitet werden kann er später immer noch). Das Rauschen so gering wie möglich. Hier ist das eigene Gehör der Maßstab. Herstellerangaben sollte man grundsätzlich nicht blindlings vertrauen, da Messwerte häufig mehr Marketinginstrument als objektive Aussage sind. Gleichwohl schadet ein vergleichender Blick in das Datenblatt des jeweiligen Mixers nicht. Selbst wenn man geschönte Werte unterstellt, ist es auch für die künftige Arbeit lehrreich, sich mit Angaben wie Signal/Rauschabstand, Eingangsimpedanz etc. näher beschäftigen. Zu den einzelnen technischen Daten und deren Bedeutung möchte ich auf die zahlreich vorhandenen Online-Ratgeber und Tutorials verwiesen.
*Manche Drehleierbauer bieten integrierte oder externe Vorverstärker an. Hohe Eingangspegel müssen abgesenkt oder über Line-Eingänge geführt werden.
Anzahl der Kanäle
Bei einer angenommenen vierkanaligen Signalführung der elektroakustischen Drehleier müssen logischerweise mindestens 4 „echte“ Mikrofoneingänge vorhanden sein. Das klingt nach Binsenweisheit, ist aber keineswegs selbstverständlich, da die Hersteller in den Angaben zu den Kanälen häufig eine kreative Zählweise verwenden und damit den Anschein von mehr Eingängen erwecken als tatsächlich vorhanden sind. Bei lediglich 4 Mikrofoneingängen muss man – alleine schon wegen des verfügbaren Platzes – sehr deutliche Abstriche bei anderen wichtigen Features machen. Zudem ist man mit vier Kanälen auch schon am Limit: Gibt es Probleme mit einem Kanal, hilft kein Umstöpseln, ein weiteres Instrument kann im Bedarfsfall auch nicht angeschlossen werden. Eine spätere Erweiterung der Kanalzahl geht dann nur mit einem Neukauf einher. Deshalb sind 6-8 Mikrofoneingänge nach meinen Erfahrungen das Minimum (die Anzahl der Line-Eingänge ist von den individuellen Anforderungen abhängig), um für die elektroakustische Drehleier ausreichende Regelungsmöglichkeiten bereitzustellen. Es ist also nicht verkehrt, dem Mischer und sich selbst auf Verdacht ein paar Kanäle mehr zu gönnen. Bei den Eingängen sind Kombibuchsen von Neutrik (die Marke bürgt auch sonst für hohe Qualität) eine gute Sache, da sie den Anschluss von XLR und 6,3mm Klinkensteckern gleichermaßen erlauben. Sie sind leider eher die Ausnahme bei Kleinmixern.
Filter & Co.
Häufig anzutreffen im Bereich der Mikrofoneingänge sind Schalter, die es erlauben höhere Eingangspegel abzusenken. Außerdem finden sich hier auch Schalter mit der Beschriftung HPF (Hochpassfilter), wobei die alternative Bezeichnung Low Cut eigentlich einleuchtender ist. Es handelt sich hierbei um Trittschallfilter, die eine Übertragung von Tritt- und anderen niederfrequenten Geräuschen unterhalb einer Frequenz von ca. 70-80 Hz verhindern sollen. Kann dazu beitragen, z.B. Rückfallgeräusche der Tangenten zu reduzieren. Bei Störgeräuschen, elektrischen wie akustischen, kann man den Einsatz eines Noisegate oder auch einen Fußschalter bzw. ein Volumenpedal in Erwägung ziehen. Auch hier: Mehr darüber an anderer Stelle.
Kompressor
In Abhängigkeit von der Position des Tonabnehmers kann eine verstärkte Saite etwas schwachbrüstig klingen. Zwar lässt sich das teilweise über den Kanalfader nachregeln, proportional erhöht sich damit jedoch auch die Lautstärke nicht betroffener Saiten. Hier kann ein Kompressor – sparsam eingesetzt – im entsprechenden Kanal Abhilfe schaffen, indem der Klang „nachverdichtet“ wird. (Bei den Scharrsaiten ist oft das Gegenteil der Fall: hier wiederum kann zur Not ein Limiter die Schnarre in ihre akustischen Schranken verweisen).
Seit einigen Jahren werden von einzelnen Herstellern sogenannte Einknopf-Kompressoren in Kleinmixern verbaut, das heißt, mit nur einem Regler werden die einzelnen Parameter eines Kompressors wie Gain, Threshold und Ratio eingestellt. Für einen Tontechniker oder Musiker, der „seinen“ Kompressor gut kennt und entsprechend handhabt, vermutlich eine schauerliche Vorstellung. Aber ich muss als technischer Laie einräumen, dass das klangliche Ergebnis meiner Einstellungen am 19″ Kompressor keineswegs besser waren. Eher im Gegenteil, unter anderem auch wegen eines zusätzlichen Gerätes mit verlängerten Signalwegen und anderen nachteiligen Faktoren. Zum Thema kurze Wege äußere ich mich ebenfalls an anderer Stelle ausführlicher.
USB-Schnittstelle
Etliche Modelle von Kleinmixern gibt es auch in einer Variante mit USB-Schnittstelle. So spart man ein externes USB-Audiointerface.
Klangregelung
Die meisten Modelle in der Kategorie Kleinmixer sind mit einer 3-Band Klangregelung ausgestattet: Höhen, Mitten und Tiefen. Die Mitten sind, je nach Modell, manchmal parametrisch oder semiparametrisch ausgelegt. Für Drehleierzwecke kann man bei parametrischen Mitten geteilter Meinung sein, semiparametrische Mitten sind nach meiner Meinung indiskutabel. Gerade die Wiedergabe und Verstärkung des Mittenbereichs ist bei einer Drehleier in der Regel problematisch, da sie nicht nur zu laut sondern auch klanglich zu aggressiv wahrgenommen werden. Hier ist eine Klangregelung für die oberen und die unteren Mitten hilfreich, in der Angebotspalette der Kleinmixer aber die Ausnahme. Dennoch lässt sich auch mit einer 3-Band Klangregelung ein gutes Ergebnis erzielen, sofern die Charakteristik und die Qualität der Regler stimmen. Grundsätzlich sollte man in den Klang so wenig wie möglich eingreifen, je näher die Klangregler an der Neutralstellung verbleiben können, desto besser für die Klangqualität am Ende der Signalkette.
Lautstärkeregler
Üblich in der Kategorie Kleinmixer sind in den Kanälen und der Mastersektion 60mm Fader. Sie bieten den Vorteil eines längeren Regelwegs und damit einer feineren Einstellung, ermöglichen aber auch die gleichzeitige Bedienung mehrerer Regler mit einer Hand. Mit Drehreglern ist diese Art der Bedienung naturgemäß nicht möglich. Für eine bequeme Abmischung der verschieden Saitengruppen untereinander sind sie praktisch unentbehrlich. Bei Kleinmixern mit sehr wenig Kanälen muss man, auch aus Platzgründen, mit Drehknöpfen vorlieb nehmen. Alleine schon deshalb sollte man ein Modell auswählen, das über eine ausreichende Anzahl an Kanälen und damit auch über Fader verfügt.
Mute-Tasten
sind eigentlich Standard in jedem Pult und dienen dazu, einzelne Kanäle stumm zu schalten. Notwendig gerade, wenn man an den Grundeinstellungen zum Sound arbeitet. Obwohl die benötigten Kanäle für die elekroakustische Drehleier sehr übersichtlich sind, …
Solo-Tasten
erleichtern auf jeden Fall die Arbeit am jeweiligen Mischpultkanal, da sie mit nur einem Tastendruck alle anderen Kanäle stumm schaltet. Leider sind sie bei den kleinen Modellen nicht obligatorisch.
Effekte
Kaum ein Kleinmixer kommt noch ohne eigene Effekte daher. Mal sind es mehr (i.d.R. nicht editierbar), mal sind es weniger (dafür immerhin eingeschränkt editierbar). Von der Auswahl her sind sie auf Standard-Situationen ausgelegt. Die Qualität der Effekte kann je nach Hersteller sehr unterschiedlich sein. Wer gerne mit Klängen experimentiert und Effekte kombinieren möchte, wird an einem externen Multieffektgerät nicht vorbei kommen. Wem die eingebauten ausreichen, sollte sich aber an deren Qualität orientieren. Hilfreich sind hier die Hinweise auf den Hersteller, der im Bereich der Effektgeräte einen guten Ruf haben sollte. Sehr gute Effektgeräte, wie sie auch im Tonstudio zu finden sind, gehen richtig ins Geld. Qualitativ hochwertige Hallgeräte zum Beispiel, Raumsimulationen mit sehr komplexen Algorithmen. Da ist man schnell im 4-stelligen Preisbereich. Andererseits geht es bei der Klangbereicherung der Drehleier nicht unbedingt um Natürlichkeit. Schon von Haus aus bilden Effektgeräte unter anderem „alte“ analoge Effekte nach, wie die eines Platten- oder Federhall, der gerne „künstlich“ klingen darf und oft seinen Reiz in der Kombination mit anderen Effekten hat.
Grafische Equalizer
Relativ viele Kleinmischer sind mit einem grafischen Equalizer in der Mastersektion ausgestattet. Empfehlenswert, um den Klang noch einmal abzurunden, bevor er das Pult verlässt und zur Anpassung an die akustische Umgebung, vorausgesetzt die Qualität stimmt.
Aux-Wege und Inserts
hat man nie genug. Zwei Aux-Wege sollten für einen Kleinmixer trotz Platzmangel vorhanden sein (einer ist meist für die internen Effekte des Pults belegt).
Schutz und Einbaufähigkeit
Selbst an einem kleinen Mischpult stehen viele Teile ab. Wenigstens zum Schutz in heimischer Umgebung und zu Transportzwecken sollte man sich ein einfaches, leichtes Case genehmigen. Ist günstig zu bekommen (manche Musikhäuser bieten Mixer und maßgefertigtes Case verbilligt im Bundle an) und muss in den seltensten Fällen road-tauglich sein. Auch wenn der Mixer zunächst als „Stand Alone“ Gerät betrieben wird, der Einbau in ein Rack kommt vielleicht doch später in Betracht. Aus diesem Grund werden vielen Modellen Rack-Ohren beigelegt oder sind optional zum Einbau in ein 19″-Rack für Mischpulte erhältlich. Diese Option sollte man sich schon am Anfang offen halten. Vielleicht möchte man irgendwann auch ein externes Effektgerät einbauen. Da ist es nicht verkehrt, sich rechtzeitig Gedanken über ein Winkelrack zu machen und ein paar Höheneinheiten mehr einzukalkulieren. Der Aufpreis pro HE ist so hoch nicht.