Portraits

Gleich in mehrfacher Hinsicht sind Portraits von Drehleierspielerinnen und -spielern von Bedeutung. Aus nächster Nähe dargestellt, erlauben sie die Betrachtung von Details des Instruments, die Bekleidung lässt Rückschlüsse auf die gesellschaftliche Stellung zu, und die Portraitierten selbst geben Aufschluss über ihr Dasein mit den Spuren, die das Leben in ihre Gesichter  geschrieben hat.

Es waren nicht selten die Gemälde Alter Meister, die als Vorlage für Kupferstiche dienten, geben also wieder, was schon zum Zeitpunkt der Gravierung Vergangenheit war. Aber im direkten Vergleich von Gemälde und Gravur fasziniert die detaillierte Übertragung auf das Medium Kupferplatte. Vor allem wenn man bedenkt, dass Schattierungen zum Beispiel nur durch die Tiefe und Dichte der Linien mit dem Grabstichel in der Hand des Kupferstechers erzeugt werden konnte. Insbesondere unter der Vergrößerung wird der Aufwand der Herstellung deutlich. 

LE JOUEUR DE VIELLE.

Kupferstich von Boutrois nach Frans van Mieris (1635 – 1681), Frankreich 1810

Zweifellos ein Drehleierspieler, auch wenn sich das Instrument nur erahnen lässt. Gut und in der Mode der Zeit gekleidet, dürfte es sich bei der Darstellung kaum um einen umherziehenden  Bettler handeln, der mit seinem Instrument nur die öffentliche Aufmerksamkeit erregen will. Dagegen spricht auch, dass F. v. Mieris viele Personen der gehobenen Gesellschaft portraitierte.

THE SLEEPING MUSICIAN.

Kupferstich nach Dominicus van Tol (ca.1635 – 1676), England um 1810

Nicht viel anders verhält es sich mit dieser Darstellung eines schlafenden Drehleierspielers in einem Wirtshaus. Das Instrument ähnelt dem vorigen, allerdings sind jetzt viele Details  erkennbar, da es – wohl nicht ohne Absicht – gut sichtbar im Vordergrund platziert wurde. Außer Umhang und Kopfbedeckung  fällt vor allem die Halskrause ins Auge des Betrachters; in jener  Zeit wurde das repräsentative Kleidungsstück von dem wohlhabenden Bürgertum gerne zu festlichen Anlässen und in der Öffentlichkeit getragen. In den Niederlanden und in Deutschland hat sich diese Mode – wenn auch in bequemeren Formen – am längsten erhalten. Daher auch die häufige Abbildung in den Werken der niederländischen Meister.

Dieser Musiker jedenfalls konnte sich wohl beides leisten: Teure Kleidung und die Bewirtung. Auch die feingliedrigen Hände lassen den Schluss auf einen eher musischen Lebenswandels zu. Neben den Accessoires wie Gefäße und Pfeifen wurde auch der Hintergrund des Gemäldes akribisch übernommen. Jedoch sind die beiden Frauen des Originalgemäldes plötzlich verschwunden. Nur der Kupferstecher weiß warum.

Eine Drehleier ähnlicher Bauform ist auch auf diesem Blatt abgebildet. Die Gemeinsamkeiten, soweit erkennbar: Ein diatonisches Instrument, Nieten auf der Klangdecke, Rosetten als Schalloch und C-förmige Kurbel, sowie zusätzliche umlaufende Rähmchen auf den Zargen. Alle Instrumente werden authentisch mit Spielgurt gezeigt. Auch hier wieder die Wirtshausszene.

Kupferstich von L. Garreau nach einem Gemälde von G. Mieris, Frankreich 1788

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